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12.02.2018 19:46
79 Jahre und kein bisschen müde – Volleyball-Trainer Sigi Feuhsner

Sigi Feuhsner aus Siegenburg ist noch immer als Trainer aktiv. In seinem Leben hat er so einiges erlebt rund um seine große Leidenschaft Volleyball.

Mit 79 Jahren noch immer aktiv als Trainer - Sigi Feuhsner vom TSV Abensberg II (Foto: TSV Abensberg).

Als Linienrichter stand Feuhsner bei Europapokal der Landesmeister in Lohhof am Feldrand (Foto: privat)

Für den SV Lohhof III stand Feuhsner selbst auf dem Feld (Foto: privat).

Vielen ist die Geschichte vom 100-jährigen, der aus dem Fenster stieg und verschwand bekannt. Zahlreiche Abenteuer hat dieser durchlebt, viele berühmte Persönlichkeiten getroffen und dazu noch viele Dinge in die Luft gesprengt. Eine ähnlich packende Lebensgeschichte hat der Volleyball-Trainer Sigi Feuhsner aus Siegenburg zu erzählen. Gut, Feuhsner wird diesen Juli „erst“ 80 Jahre alt und hat auch noch nichts in die Luft gesprengt – zumindest ist nichts bekannt darüber – aber erlebt hat er so einiges. Unter anderem trainierte er einige Zeit drei Volleyball-Teams gleichzeitig, überlebte einen Crash mit einem Geisterfahrer und spielte bereits Volleyball mit Sportidolen wie Skifahrer-Legende Franz Klammer oder aber dem Eishockey-Idol Wayne Gretzky.

Mit Volleyball in Berührung kam Feuhsner bereits 1953 in seiner Heimat Kettwig – einem Stadtteil von Essen. Sein Bruder nahm ihn zu dieser damals in Deutschland noch gänzlich unbekannten Sportart mit. Dort spielte zu der Zeit Artur Esslinger, der später auch als zweiter Präsident des Deutschen Volleyball-Verbands aktiv wurde. Volleyball gespielt wurde damals ausschließlich in den Universitätsstädten. Hannover, Münster mit Dr. Andresen, Hamburg mit Alexander Möhle, Freiburg mit Gerhard Dürrwächter und Volker Finke sowie Limburger Hof bei Darmstadt. „Das war ein lettisches Team“, erinnert sich Feuhsner. „Die haben immer alle geschlagen, sodass wir irgendwann beschlossen haben, dass sie nicht mehr Deutscher Meister, sondern nur Meister in Deutschland werden konnten“, erinnert sich Feuhsner. Schnell kommt hier eine weitere Eigenschaft Feuhsners zu Tage. Er wollte den Grund für den Erfolg der Letten herausfinden und erfuhr ihn wenig später. „Ich bin dann da mal hingefahren. Dort habe ich gesehen, dass sie in ihren Hinterhöfen überall Volleyball-Netze gespannt und in jeder freien Minute gespielt hatten“, so Feuhsner. Angesprochen auf den ehemaligen Fußball-Bundesliga-Trainer Volker Finke gerät Feuhsner ins Schwärmen: „Der war sehr gut. Er hatte eine riesen Sprungkraft und ist ein sehr toller Mensch.“

Duell mit beinharten Verteidigern Lorant und Rehhagel

Sein Alter wollte es, dass Feuhsner dem Volleyball für eine gewisse Zeit den Rücken kehren musste. „Volleyball wurde ja nur in wenigen Städten gespielt und die Reisen zu den Spielen waren weit. Das konnte ich als Schüler auf Dauer nicht machen.“ So kam Feuhsner zur Leichtathletik und zum Fußball. Die Geschichte wollte es so, dass er dabei die Karrieren zweier Trainerlegenden als Spieler kreuzte. Er traf bei seinen Spielen auf Werner Lorant, den ehemaligen Trainer von 1860 München und den ehemaligen Trainer von Bayern und Bremen Otto Rehhagel. „Das waren beides beinharte Verteidiger. Wenn die dich über die Klinge springen ließen, dann hast du das noch Wochen danach gesehen, da wir auf Ascheplätzen gespielt haben.“

Mittendrin bei Olympia 1972 in München

Der Volleyball ließ Feuhsner jedoch nie ganz los und im Zuge der Olympischen Sommerspiele 1972 war Feuhsner wieder voll im Geschäft. Das lag auch daran, dass er 1966 beruflich nach München gekommen war und dort über Klaus Volkert zum Volleyball zurückkam. Die Vorbereitungen auf Olympia begannen bereits 1969. „Zunächst standen die Sichtungen der Wettkampfhelfer an und die Vorbereitung des vorolympischen Turniers 1971“, blickt Feuhsner zurück. Er war dabei federführend als Einsatzleiter der Wettkampfhelfer beteiligt. „Beim vorolympischen Turnier haben wir auch die Fernsehleute, wie Eberhard Stanjek geschult. Davor kannten sie beim Fernsehen nur Aufschlag und Auszeit. Das Spiel selbst wurde kaum gefilmt“, erinnert sich Feuhsner. „Durch die optimierte Übertragung entstand in Folge von Olympia der Volleyball-Boom in Deutschland“, freut sich der Siegenburger. Während des vorolympischen Turniers war Feuhsner auch für die Hostessen der VIP-Betreuung zuständig. Eine der Hostessen war Sylvia Sommerlath. „Das war beim vorolympischen Turnier“, erinnert sich Feuhsner. „Aber nach ein paar Tagen wurde sie aus diplomatischen Gründen von den Hostessen abgezogen.“ Der schwedische König Carl Gustaf hatte ein Auge auf die Hostess geworfen und sich Hals über Kopf verliebt. Für Feuhsner nicht verwunderlich. „Sylvia ist ein ganz liebes Mädchen“, erinnert er sich. Bis heute gibt es Kontakt zwischen dem damaligen Einsatzleiter Feuhsner und der damaligen Chef-Hostess. „Sie hat mich vergangenes Jahr an meinem Geburtstag angerufen“, freute sich der 79-jöhrige über die unerwartete Gratulantin.

Chulag knippst mit Volleyball einen Strahler aus

Im Rahmen der Olympischen Spiele gab es aber auch sportlich das eine oder andere Highlight abseits des regulären Wettkampfbetriebs. So kam einmal der russische Top-Angreifer Yefim Chulak auf Feuhsner zu und befahl ihm einen Strahler an der Decke auszusuchen. Er würde diesen dann kaputt schießen. Feuhsner dachte sich nichts Böses, deutete auf einen der Strahler und „Chulag hat dann Boden-Decke geschlagen und genau diesen Strahler ausgeknipst.“ Ähnliches passierte Feuhsner einige Jahre später in Dachau, als dort Georg Grozer Senior das erste Mal in der Scherer-Halle auflief. „Er hat zu mir gesagt, den Deckenlampe schieß ich kaputt und er hat ihn dann auch getroffen“, erinnert sich Feuhsner.

Bayerns Volleyballer werden selbstbewusst

Nach Olympia nahm Volleyball einen großen Aufschwung und die Volleyballer wurden selbstbewusst. Auch in Bayern, wie sich Feuhsner erinnert. „Zusammen mit Klaus und Carl Früh war ich an den Gesprächen zur Loslösung der Sportart Volleyball aus dem Bayerischen Turnspiel-Verband beteiligt. Bei der konstituierenden Sitzung des Verbandes war ich auf einer längeren Geschäftsreise und konnte leider nicht dabei sein.“

Feuhsners Wette

In dieser Zeit gründete Feuhsner beim ASV Dachau die Volleyball-Abteilung und trainierte ein Mädchen-Team. „Da habe ich mit einem Trainerkollegen gewettet, dass ich mit der weiblichen B-Jugend Bayerischer Meister werden würde, wenn ich den Mädels lediglich den Aufschlag von oben und das Baggern beibringen würde.“ Die Wette wurde vereinbart und Feuhsner gelang das Kunststück. „Damals war der Aufschlag von oben bei den Frauen noch die Seltenheit“, berichtet Feuhsner.

Als Cousin von DDR-Spielerinnen auf DDR-Tour

Auch international war Feuhsner weiter aktiv. 1975 war er bei der Junioren EM mit der Betreuung des Teams der DDR betraut. „Die Mädels hatten damals nicht einmal Knieschoner“, erinnert er sich. „Sie haben sich aus Strumpf und Socken selbst welche genäht.“ Viel mehr in Erinnerung blieb Feuhsner jedoch, dass die Tagespauschale für Athleten (damals 2 Dollar) den Sportlerinnen der DDR erst auf der Heimreise im Zug ausbezahlt wurde. „Das war die größte Gemeinheit. Denn damals durfte man keine Devisen in die DDR einführen, so dass die Spielerinnen das Geld wieder ihren Trainern zurückgaben.“ Feuhsner hatte die Reisegruppe der DDR am Rückweg bis Augsburg begleitet und in der Folgezeit viele der Spielerinnen besucht. „Ich wurde damals von diesen als ihr Cousin in die DDR eingeladen. So lernte ich damals schon fast die gesamte DDR kennen.“

Wollte kein Autogramm von Franz Klammer

Sportlich führte es Feuhsner zu dieser Zeit von Dachau nach Lohhof. Denn dort gab es auch eine Männermannschaft. „Ich wollte selbst noch spielen“, erklärt er. Mit den Lohhofern fuhr er einmal zum Skifahren nach Schladming, als dort gerade die Österreichischen Meisterschaften im Skifahren ausgetragen wurden. Einmal trafen sie dann auch Franz Klammer in einer Berghütte: „Der war dann ganz traurig, weil wir kein Autogramm von ihm wollten.“ Stattdessen haben die Lohhofer wenig später mit Klammer, Hansi Hinterseer und den anderen ÖSV-Stars Volleyball gespielt. „Die haben das immer wieder als Ausgleich zum Skisport gespielt. Es hat richtig Spaß gemacht“, erinnert sich Feuhsner.

„Geisterfahrer gibt es wirklich!“

1990 ereilte den Volleyball-Trainer ein Schicksalsschlag. Er war auf der Autobahn unterwegs, als ihm ein Geisterfahrer entgegenkam, ihn rammte und schwer verletzte. In dieser Zeit half ihm Volleyball wieder zurück ins Leben zu kommen. Seine Söhne und dessen Freunde überzeugten ihn wieder als Trainer aktiv zu werden. So trainierte er zunächst Pfaffenhofen, dann Langenbruck und irgendwann einmal drei Mannschaften aus drei Vereinen gleichzeitig. „Das ging ganz gut“, so Feuhsner. „Das haben wir damals hinbekommen. Die dritte Mannschaft war im Ruhrgebiet. Die hatten einen Trainingsplan von mir. Einmal im Monat musste ich beruflich nach Düsseldorf. Da habe ich sie dann alle zusammengeholt und trainiert. Wenn wichtige Spiele waren, bin ich freitags hingeflogen und am Sonntag wieder zurück. Das ging damals im Rahmen meiner Beschäftigung.“

Showmatch gegen Wayne Gretzky und die Hanson Brothers

Beruflich verschlug es seinen Sohn Daniel zur Jahrtausendwende nach Seattle. Da Sigi Feuhsner zu der Zeit bereits in Rente war, besuchte er ihn oft und war auch dort als Trainer aktiv: „Terry Schättler hat das ermöglicht“, erinnert sich Feuhsner. „Das waren dort ganz andere Voraussetzungen. Die spielten mit weißen Bällen und bereits bei der ersten Umdrehung des Balles galt dieser als geführt. Zudem spielte man in Hallen mit 15.-20.000 Zuschauerplätzen. Da konnte es passieren, dass der Ball nach dem Zuspiel von der Zugluft vom Feld geblasen wurde.“ In diese Zeit fällt auch das wohl legendärste Spiel in Feuhsners Volleyball-Karriere. Er spielte beim Microsoft-Cup, einem Show-Turnier des gleichnamigen Software-Konzerns mit seinem Sohn Daniel. In einem Spiel traf er dabei auf Eishockey-Legende Wayne Gretzky. Da waren über 4.000 Menschen im Stadion. Das war ein riesen Event“, erinnert er sich. Gefragt nach den Volleyball-Fähigkeiten des besten Eishockeyspielers aller Zeiten erklärt Feuhsner: „Der war auch im Volleyball unschlagbar. Mit seiner Sprungkraft, Schnelligkeit und seinem Auge. Das war beeindruckend. Genauso wie die Hanson Brothers.“ Diese Kultfiguren des Eishockeys waren ebenfalls am Cup beteiligt. Nach diesen Höhepunkten im Leben - Feuhsner war auch bei der Einweihung des neuen Hauses von Microsoft-Gründer Bill Gates – folgte eine der dunkelsten Stunden für den Volleyball-Trainer. Sein Sohn Daniel verstarb und Sigi Feuhsner sollte nie wieder in die USA zurückkehren.

Immer noch als Trainer aktiv beim TSV Abensberg

In Bayern war er jedoch weiterhin als Volleyball-Trainer aktiv. So führte ihn seine sportliche Karriere unter anderem nach Regenstauf und Neutraubling. Auch jetzt ist Feuhsner noch aktiv im Volleyball. Er trainiert die zweite Mannschaft des TSV Abensberg in der Bezirksklasse der Männer in der Oberpfalz. Man darf gespannt sein, welche Anekdoten das Leben für Sigi Feuhsner noch bereithält. Es ist nicht ausgeschlossen, dass er auch die 100 Jahre erreicht. „Aber ins Altersheim will ich nicht und verschwinden will ich dann auch nicht“, erklärt Feuhsner mit einem Schmunzeln abschließend und macht sich auf den Weg zu seinem nächsten Termin. Denn auch mit 79 Jahren ist er noch beruflich aktiv als Vertriebsleiter einer Spedition für Sonderfahrten.

Kategorie: BVV-News

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