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12.10.2017 14:42
Auswahltrainer Dieter Heidrich: "Wir arbeiten mit den Vereinen Hand in Hand"

Wir haben mit dem Trainer der Bayernauswahl 2002/2003 nach dem Sieg beim Bundespokal in Elsenfeld gesprochen. Dieter Heidrich blickt dabei zurück auf das Turnier und nennt die Gründe für den Erfolg.

 

Wie fühlt man sich nach so einem Erfolg?
Absolut fantastisch. Die Mädels haben sich für ihre harte Arbeit belohnt. Sie haben ein fabelhaftes Turnier gespielt. Es gab zwar den einen oder anderen knappen Satz, aber sie haben keinen Einzigen verloren und das ist auf diesem Niveau schon herausragend.

Die Mädels machen einen sehr robusten Eindruck?
Ja das stimmt. Wir haben ganz wenig Phasen in denen wir mehrere Punkte hintereinander verlieren. Der Zusammenhalt in der Mannschaft ist echt der Wahnsinn. Ich mache mal ein Beispiel. Ich habe 14 Spielerinnen nominiert und zur Vorbereitung 13 Spielerinnen mitgenommen. Es war zwar von Anfang an klar, dass nur 12 auf der Mannschaftsliste stehen können, aber am Donnerstag die 13. Spielerin zu informieren, dass sie nicht auf der Liste steht ist schon hart. Hannah Küchenhoff hat das aber super umgesetzt. Sie hat mit mir gesprochen und hat gesagt, dass sie gerne das Einspielen von den Liberas leiten würde und damit als Co-Co-Trainerin zur Verfügung steht. Auch Julia Kunz habe ich als 14. Spielerin am Freitag informiert, dass sie nicht dabei ist und sie hat von Zuhause aus am Live-Stream mitgefiebert.

Sachsen läuft mit mehreren Nationalspielerinnen auf und wird am Ende nur Dritter? Ich glaube dass in diesem Alter dieser Nationalmannschaftshype übertrieben wird. Es sind doch vom Bundestrainer die Spielerinnen in der Auswahl, die auf Sicht in die A-Nationalmannschaft kommen sollen. Da spielt Größe eine Rolle und ggf. noch ein paar weitere Eigenschaften. Wir haben zwar nicht die richtige Größe aber eine Mannschaft, die spielerisch dazu in der Lage ist in engen Situationen die richtigen Lösungen zu finden. Sachsen hatte während des ganzen Turniers nicht diese Lösungen und im Halbfinale gegen Württemberg ist es halt eng geworden und die Mannschaft hat verloren. Das sagt aber gar nichts über das Potential dieser Mannschaft aus, die einzelnen Spielerinnen werden ihren Weg gehen.

Wie sieht das mit unseren Nationalspielerinnen aus?
Simona Dammer hat gezeigt, dass sie zur Zeit die beste Zuspielerin in Deutschland ist. Sie hat über das ganze Turnier hinweg konstant die Mannschaft geführt und einen großen Anteil an dem Erfolg. Ich sehe sie zwar weiterhin als zukünftig beste Libera in Deutschland, aber dafür hat sie ja noch Zeit. Nadine Kulig hat es als zweite Zuspielerin ebenfalls gut gemacht und ist für mich zu Recht im erweiterten Kader der Nationalmannschaft. Valbona Ismaili hat sich in der Vorbereitung abgemeldet, hier müssen wir sehen wie sich das Ganze in den nächsten Wochen gestaltet.

Damit hast du jetzt ein dickes Lob für deine Zuspieler ausgesprochen, andererseits betonst du immer das Kollektiv?
Auf der einen Seite Lob auszusprechen bedeutet ja nicht das Kollektiv zu schwächen. Unsere Annahmeaussen Chiara Lukes, Amelie Busch und Paula Hummel haben hervorragend gespielt. Amelie ist hier ebenfalls hervorzuheben. Gerade im Endspiel hat sie gegen den großen Block von Württemberg immer Lösungen gehabt. Paula Hummel, die für das Halbfinale und Finale von ihrer Stammposition auf die Diagonalposition gewechselt ist steht für eine großartige Entwicklung im Team. Bei den Mittelblockern haben wir in den letzten Wochen die größten Fortschritte festgestellt. Annika Kraft, Julia Haberl und Nadja Nawrat haben einige Blockpunkte gemacht und am Ende hat das auch sehr zu unserer Konstanz beigetragen. Die beiden Liberas Nina Völkl und Lena Müller haben als Annahme- und Abwehrliberas permanent gewechselt und eine sehr zuverlässige Leistung gebracht. Die Annahme ist halt nach dem Aufschlag das wichtigste Element und das war einfach super.

Jetzt hast du aber noch die Küken vergessen, oder?
Ja Küken passt wirklich bestens auf unsere Diagonalspieler. Es ist schon bezeichnend, dass alle 2003er auf dieser Position sind. Judith Fenzl, Elli Kerscher und Hannah Küchenhoff haben bereits eine tolle Entwicklung gemacht und werden noch viel stärker werden. In Zukunft werden wir hier noch einiges erwarten können. Es war ihr erstes großes Turnier und dafür haben sie es schon sehr gut gemacht.

Dann hat der Bayerische Volleyballverband alles richtig gemacht?
Ich glaube schon, dass wir alle zusammen eine gute Arbeit gemacht haben, aber nur auf unsere Schultern zu klopfen ist völlig falsch. Die Auswahltrainer können sicherlich ein gutes Team aus den einzelnen Spielerinnen machen, aber die Grundlagen und die Technikausbildung wird  in den Vereinen beigebracht. Ich kann sagen, dass ich ein tolles Verhältnis zu jedem einzelnen Verein habe und dass wir hier Hand in Hand arbeiten. Dieser Erfolg der Mädels ist auch ein Erfolg der einzelnen Vereine, Dies sind in diesem Jahrgang im Einzelnen der SV Lohhof, FTSV Straubing, TSV Sonthofen, SV Mauerstetten, TV Altdorf, TSV Unterhaching, RR Vilsbiburg, DJK Augsburg Hochzoll, MTV Rosenheim, TSV Königsbrunn, TS Jahn München, SV Hahnbach,  DJK Karbach, TV Mömlingen, TV Dingolfing, TV Furth im Wald, VV Gotteszell.

Eine lange Liste.
Ja Gott sei Dank ist es eine lange Liste und es ist auch die Aufgabe des Bayerischen Volleyballverbandes diese Vereine und alle Vereine die Jugendarbeit betreiben zu unterstützen. Das Stützpunktkonzept ist derzeit am Scheideweg. Vieles funktioniert, aber auch ziemlich viele Dinge sind entweder nicht leistbar oder müssen neu überarbeitet werden. Wir haben uns im Frühjahr dazu getroffen und die Stützpunktvereine haben ihr Feedback gegeben. Wir haben das zusammengefasst und Vorschläge erarbeitet. Diese Woche sind wir zusammen gesessen und haben mit unserem neuen Vizepräsidenten Sport Christoph Schieder die Leistungen festgelegt, die der Bayerische Volleyballverband im Stützpunktsystem auch wirklich leisten kann. Die Überarbeitung von einigen Punkten wie z.B. der Ehrenkodex wird in einer weiteren Arbeitsgruppe mit Vereinsvertretern durchgeführt. Aber darüber wird die Geschäftsstelle sicherlich die Stützpunktvereine in den nächsten Tagen informieren. Bei uns in der Bayernauswahl stehen immer alle Türen offen. Alleine in diesem Jahr haben bereits 12 Trainer bei den Lehrgängen der 02/03er hospitiert und bis jetzt war jeder begeistert.

Dann bleibt die Frage, wie es 2018 weiter geht?
Zuerst einmal haben wir noch 3 Doppelspieltage in der Regionalliga wo wir nur die Vorrunde spielen. Auch hier gilt mein Dank den einzelnen Vereinen die uns ermöglichen auf diesem hohen Niveau Spiele zu machen und damit die Ausbildung weiter voran zu treiben. Die Stabilität in den einzelnen Spielen haben wir uns in der Liga geholt. Im Frühjahr 2018 werden wir uns dann noch zu einem Lehrgang treffen und dann steht der große Auslandslehrgang an. Hier kann und darf ich aber noch nicht verraten wo es genau hingeht.. Der weitere Meilenstein ist dann der große Bundespokal im Mai 2018. Wir haben in Schwerin gezeigt, dass wir alle schlagen können. Aber wenn Sachsen wieder zu alter Stärke zurückfindet, der WVV weiterhin so toll arbeitet und mit den beiden Baden-Mannschaften und der starken Württemberg-Mannschaft eine Baden-Württemberg-Auswahl kommt, dann haben wir schon gewaltige Gegner. Aber ab jetzt gilt, zuerst einmal müssen alle die Bayern schlagen. Ein gutes Gefühl.

Kategorie: BVV-News, Sport

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