Was macht eigentlich der Volleyballer und Trainer Karl-Heinz Kauczok?
Den eingefleischten Volleyballern dürfte der Name Karl-Heinz Kauczok ein Begriff sein. Kauczok war einer von drei bayerischen Trainern, die im Jahr 1981 die A-Lizenz erworben haben. Mit ihm absolvierten den Lehrgang in Heidelberg Klaus Müller aus Regensburg und Stelian Moculescu. Seitdem ist viel Zeit vergangen und wir haben uns auf Spurensuche begeben und sind in Schweinfurt fündig geworden. Dort ist Karl-Heinz Kauczok derzeit Bürgermeister und Mitglied im Schul- und Kulturausschuss, Vorsitzender des Arbeitskreises "Sport in Schule und Verein" sowie Vorstandsvorsitzender des Stadtverbandes für Sport Schweinfurt.
Wir haben uns mit Karl-Heinz Kauczok über seine Karriere und die Situation am Volleyball-Standort Schweinfurt unterhalten.
Herr Kauczok, wie entwickelte sich Volleyball in Schweinfurt in den Anfängen?
Kauczok: Alles fing bei mir mit den Spielen beim CVJM (Anm. d. Red. Christlicher Verein Junger Menschen) an. Hier spielte ich während meines Sportstudiums in CVJM-Teams in Erlangen, Ingolstadt und München. Diese Mannschaften übertrugen ihre Begeisterung auch auf die Vereine. Diese bildeten Übungsleiter auf unterfränkischer Ebene aus. Zudem half die Lehrerausbildung dabei Trainer zu finden. Viele Lehrer agierten als Trainer in den Vereinen. Spielerinnen und Spieler suchten sich gegenseitig und organisierten sich in den Schweinfurter Vereinen. FTS, FC 05, TV-Jahn, Saunafreunde, SC 1900, TG 48 und DJK Schweinfurt, die beide von der Anzahl der Mannschaften und der Leistungsspitze führend waren. In der TG 48 trainierte ich 11 Mannschaften Schüler /Jugend/Aktive Damen- und Herrenmannschaften bis Damenbayernliga und Regionalliga. Auch der Aufbau von Betriebssportgemeinschaften gelang mit der Sparkasse Schweinfurt, den Stadtwerken Schweinfurter, der Feuerwehr, Polizei, die sich am Spielbetrieb oder ihren eigenen Wettbewerben sportliche Turniere durchführten.
Was waren Ihre größten Erfolge als Trainer?
Kauczok: Sportlich gesehen waren es die Aufstiege der Damen- und Herrenmannschaft an die bayerische Spitze. Auch der bayerische Vizemeistertitel mit der Jugend war ein toller Erfolg. Zudem gelang es mit der DJK Schweinfurt den Deutschen Meistertitel der DJK-Vereine zu gewinnen. Mit der Lehrermannschaft der Stadt Schweinfurt mehrmals den Bayerischen Meistertitel des BLLV zu holen.
Mittlerweile ist Schweinfurt nur noch ein kleiner Punkt auf der Volleyball-Landkarte. Wie kam es, dass aus der einstigen Hochburg ein Mauerblümchen in Sachen Volleyball wurde?
Kauczok: Das hatte vielschichtige Gründe, mit denen viele Standorte zu kämpfen haben. Neben der nachlassenden Leistungseinstellung zum Leistungssport und dem Wegzug von Leistungsträgern muss man hier auch die Veränderungen im Lehrplan des Fachs Sport oder aber auch die gekürzte finanzielle Unterstützung durch die Vereine nennen. Zudem fehlten auch die Motivationshilfen durch den Verband, wie zum Beispiel Fortbildungen für Lehrer und Trainer in der Region.
Was ist aus Ihrer Sicht nötig, dass es mit Volleyball in Schweinfurt wieder bergauf geht?
Kauczok: Wir müssen es wieder schaffen motivierte Lehrer, die aus dem Vereinssport kommen an den Schulen zu etablieren. Diesen Chancen anbieten Schüler auszubilden, zu fördern und unterstützen zu können. Zudem müssen wir jungen Menschen Lehrgänge anbieten, damit sie die fachliche Qualifikation als Übungsleiter erwerben können. Zudem sollten die Vereine Anreize bekommen um in den Ganztagsschulen ein Sportangebot zu übernehmen. Zudem müssen wir es schaffen den Jugendlichen eine vielseitige Trainingsgestaltung und ein erweitertes Freizeitangebot und Engagement über das Vereinsengagement zu bieten.
Welche Vorteile haben junge Menschen davon, wenn Sie sich als Trainer engagieren für das spätere Leben?
Kauczok: Mir hat mein Engagement bei der Persönlichkeitsbildung im Hinblick auf meinen Zielberuf Lehrer sehr geholfen. Hier konnte ich beispielsweise den Umgang und die Führung von Jugend- und Erwachsenengruppen mit unterschiedlichsten Charakteren und Verhaltensweisen vertiefen und festigen. Darüber hinaus war es ein gutes Training für soziale Umgangsformen und gesellschaftlich kameradschaftliches Miteinander, welches in der Jugendarbeit in den Verbänden, Vereinen und in der Schule anwenden konnte.
Was vermissen Sie am meisten aus Ihrer aktiven Zeit als Volleyballer bzw. Trainer?
Kauczok: Da ich nach meiner Volleyballzeit als Trainer, Volleyballer, Schiedsrichtertätigkeit (sechs Länderspiele und Bundesligen) und Organisator von nationalen Volleyballturnieren aufgehört habe, wurde ich Vorsitzender des Stadtjugendrings, dann Vorstandsvorsitzender des Stadtverbandes für Sport, Stadtrat und zum Bürgermeister der Stadt gewählt wurde und als dieser der Vorsitzende des Arbeitskreises „Sport in Schule und Verein“ bin und der Leiter des Sportausschusses des Stadtrates, konnte ich meine Aktivitäten und mein Engagement für die Jugend und den Sport fortsetzen. Darin begründet vermisse ich heute aus der „Volleyball-Phase meines Lebens“ eigentlich nichts.
Was wünschen Sie sich für den Volleyball in Schweinfurt und Unterfranken?
Kauczok: Ich wünsche ich mir für den Volleyballsport im spezifischen, aber auch für den Schulsport und Vereinssport im allgemeinen erneutes gesteigertes Engagement der Sportlehrkräfte und Übungsleiter, von den Schulleitungen Unterstützung und Förderungen der Schulsportwettkämpfe und von der Jugend auch in den Vereinen eine neue begeisterte Leistungsbereitschaft auch für das Miteinander im Vereinsleben.