Prävention vor sexualisierter Gewalt
Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Trainerausbildung,
sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen ist an sich so ungeheuerlich und unfassbar, dass das Thema oft verdrängt beziehungsweise verleugnet wird:
"Bei uns gibt es so etwas nicht!"
Die Zahlen sprechen eine andere Sprache (auch wenn sie jeweils abhängig von der zugrunde gelegten Definition bzw. den unterschiedlichen Untersuchungen und Statistiken zur sexualierter Gewalt sind.) und sind in jedem Fall erschreckend:
- Ca. 15.000 Fälle von sexuellen Missbrauch Minderjähriger wurden z.B. 2003 in Deutschland von der Polizei erfasst (nach §§ 176, 176a, 176 b StGB).
- Die Dunkelziffer sexuellen Missbrauchs wird bis zu 20 mal höher geschätzt.
- Jedes 4.-5. Mädchen und jeder 10. bis 12. Junge unter achtzehn ist betroffen.
- Die Täter/innen kommen zu 2/3 aus dem bekannten Umfeld des Opfers.
- Die Täter sind zu 85-90% männlich und leben heterosexuell.
- Die Täter kommen aus allen Altersgruppen (1/3 sind unter 21 Jahre alt).
- Sie sind meist Wiederholungstäter.
- Der Missbrauch wird bewusst geplant und herbeigeführt.
Gott sei Dank wächst die Sensibilität der Öffentlichkeit gegenüber diesem Tabuthema. Durch die Beratungstätigkeit des Bayerischen Jugendrings (BJR) ist bekannt, dass ca. ein Drittel aller bayerischen Jugendverbände bereits mit Fällen sexualisierter Gewalt gegenüber Minderjährigen konfrontiert war. Tatsache ist, dass die verbandliche Jugendarbeit sowohl Opfer, als auch Täter/innen in ihren eigenen Reihen hat. Dies verpflichtet sie, präventiv zum Schutz ihrer Kinder tätig zu werden. Auch im Sport versuchen Täter/innen ihre Opfer zu finden. Sie gehen strategisch vor und halten sich bevorzugt überall dort auf, wo Kinder und Jugendliche sind. Der Sport ist durch seine vielfältige und körperbezogene Bewegungskultur und der großen Anzahl von Kindern und Jugendlichen ein "attraktives" Terrain.
Über eine Million junge Menschen unter achtzehn Jahre, also mehr als 40 % aller bayerischen Kinder und Jugendlichen sind in Sportvereinen aktiv. Sie müssen wirksam vor sexualisierter Gewalt geschützt und mögliche Täter_innen müssen abgeschreckt werden. Dies ist Aufgabe aller Verantwortlichen in der sportlichen Jugendarbeit.
Sie als zukünftige Trainerinnen und Trainer im Bayerischen Volleyball-Verband übernehmen auch in Zukunft neben der sportlichen Aufgabe auch die verantwortungsvolle Aufgabe unsere Kinder und Jugendlichen zu informierenn, zu unterstützung und vor derartigen Übergriffen im Verband zu schützen.
Bitte nehmen Sie sich Zeit, die Materialien in diesem Kurs aufmerksam durchzuarbeiten. Hier erhalten Sie Anregungen, wie Sie dem Thema in Ihrem Aufgabenfeld als Trainerin und Trainer begegnen können.
Quelle: BSJ (http://www.bsj.org)
Kursziele
Ziel dieses Kurses ist es, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Trainerausbildung
- sensibilisiert werden für das Thema sexualisierte Gewalt
- informiert sind über die Möglichkeiten der präventiven Arbeit
- Anhaltspunkte erhalten über eigene Handlungsmöglichkeiten
- informiert sind über die Unterstützungmöglichkeiten durch den Verband und andere Stellen
Sexualisierte Gewalt - was ist das?
Sexualisierte Gewalt ist eine Grenzverletzung und meint jede sexuelle Handlung, die an einem Kind oder einem/einer Jugendlichen gegen dessen/deren Willen vorgenommen wird. Dies gilt auch, wenn das Opfer wegen seiner körperlichen, geistigen, kognitiven und sprachlichen Unterlegenheit der sexuellen Handlung nicht wissentlich zustimmen kann.
Sexualisierte Gewalt kommt in vielen Formen und Abstufungen vor. Es wird unterschieden zwischen sexualisierter Gewalt ohne Körperkontakt (anzügliche Bemerkungen, Beobachten beim Baden, Duschen, Exhibitionismus, Pornos zeigen, ...), mit geringem Körperkontakt (Zungenküsse, Brust anfassen, Versuch die Genitalien zu berühren), mit intensivem Körperkontakt (Masturbation von Täter/in bzw. Opfer, Anfassen der Genitalien,...) und sehr intensivem Körperkontakt (anale, genitale oder orale Vergewaltigung).
Es geht aber nicht nur um schwere Formen der sexualisierte Gewalt, sondern auch um leichtere Formen der Grenzverletzung.
Diese werden individuell verschieden wahrgenommen und sind alters- und geschlechtsabhängig. Für ein Kind kann der von ihm nicht gewollte und aufgezwungene Begrüßungskuss der Tante schon als Grenzverletzung wahrgenommen werden.
Sexueller Missbrauch durch Fremde ist im Verhältnis eher selten. Kinder und Jugendliche erleben sexuelle Übergriffe sehr häufig in ihrem sozialen Nahraum und von Menschen, denen sie vertrauen und von denen sie Unterstützung, positive Zuwendung und emotionale und soziale Fürsorge erwarten. Der deutlich größte Teil der betroffenen Mädchen und Jungen wird von ihnen bekannten Personen missbraucht, die nicht zur Familie gehören. Es können Bekannte oder Freunde der Familie, aber auch Nachbar/innen, Lehrer/innen, Jugendleiter/innen, Pfarrer/innen, Ärzte/Ärztinnen, Erzieher/innen usw. sein.
Sie nutzen ihre Macht- und Autoritätsposition aus, um ihre eigenen (sexuellen) Bedürfnisse auf Kosten des Kindes zu befriedigen. Je enger die Beziehung zwischen Täter/in und Opfer ist, desto länger und häufiger findet sexueller Missbrauch statt.
Die physischen und psychischen Folgen können für die Opfer lang anhaltend und extrem einschneidend sein. Auf Grund der unterschiedlichen Formen und Schweregrade sexualisierter Gewalt, der individuellen Besonderheiten und des subjektiven Erlebens der Betroffenen reagiert jedes Kind bzw. jede/r Jugendliche/r anders. Es gibt keine eindeutigen Symptome bei Opfern, die den Rückschluss auf sexualisierte Gewalt ermöglichen.
Quelle: BSJ (http://www.bsj.org)
Auszüge aus: BAYERISCHER JUGENDRING (Hrsg.): Prävention vor sexualisierter Gewalt in der Kinder- und Jugendarbeit. Baustein 1: Basisinformationen zum Thema "sexuelle Gewalt"; München 2001
Hier finden Sie Literatur zur eigenen Information:
Des Weiteren wurden von der Bayerischen Sportjugend Informationsbroschüren für Mädchen und Jungen erstellt zum Thema "Prävention sexualisierter Gewalt" erstellt. Diese können Sie für Ihre Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen nutzen:
Weiterführende Literatur und Links
Hier finden Sie weiterführende Literatur und Links zum Thema.